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RESOLUTION

27.04.2018     Ni

Der HEV Graubünden fordert den Grossen Rat und die Regierung des Kantons Graubünden auf, sich gegen eine bundesweite obligatorische Erdbebenversicherung auszusprechen.

An der Delegiertenversammlung vom 27. April 2018 in Cazis haben die Delegierten des HEV Graubünden mit 75 : 4 Ja-Stimmen einer Resolution zugestimmt, welche den Grossen Rat und die Regierung des Kantons Graubünden auffordern, sich gegen eine bundesweite obligatorische Erdbebenversicherung einzusetzen.

In der Schweiz sind heute Erdbebenschäden nicht obligatorisch versichert und gelten auch als flächendeckend nicht versicherbar. In Graubünden sind zurzeit Bestrebungen im Gange, um eine obligatorische bundesweite Erdbebenversicherung zu unterstützen. Der HEV Graubünden ist sich seiner Verantwortung den Immobilieneigentümern gegenüber sehr wohl bewusst und anerkennt die möglichen Folgen eines starken Erdbebens. Trotzdem steht der HEV Graubünden der aktuell diskutierten obligatorischen Erdbebenversicherung kritisch gegenüber. Für den HEV Graubünden ist eine obligatorische Versicherung nicht der richtige Ansatz für die Abdeckung eines Risikos, das sich statistisch gesehen nur alle paar hundert Jahre ereignet. Der HEV spricht sich nicht nur gegen eine obligatorische Versicherung aus, sondern zeigt untenstehend auch Alternativen auf.

Kein Rückhalt in der Bevölkerung und in der Politik
Um zu klären, ob ein Interesse an einer obligatorischen Erdbebenversicherung in unserem Land besteht, haben die kantonalen Gebäudeversicherungen eine repräsentative Umfrage bei Immobilieneigentümern in Auftrag gegeben. Dabei stellte sich heraus, dass das Interesse, die eigenen Immobilien gegen Erdbeben zu versichern, bei 77 Prozent der Befragten gering ist. Dieses Umfrageergebnis deckt sich im Übrigen auch mit zwei vom Hauseigentümerverband Schweiz durchgeführten repräsentativen Umfragen: Die Mehrheit der Mitglieder lehnen eine obligatorische Erdbebenversicherung ab. Diese Umfragen liegen einige Jahre zurück, aber es ist nicht zu erwarten, dass sich die Ansichten stark verändert haben.
Auch politisch fand das Anliegen einer obligatorischen Erdbebenversicherung kein Gehör. Im Jahr 2016 lehnten National- sowie Ständerat die Standesinitiative des Kantons Basel-Stadt für eine obligatorische Erdbebenversicherung ab. Der Versuch der Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr, ein interkantonales Konkordat für eine obligatorische Erdbebenversicherung zu schaffen, scheiterte letztes Jahr am Widerstand der Kantone. Eine Motion Fournier hat es bisher auch nicht geschafft. Zusammenfassend kann man sagen, dass weder Bevölkerung noch Politik hinter einer obligatorischen Erdbebenversicherung stehen.

Wiederaufbau dank Solidarität
Es wird immer schicksalhafte Grossereignisse wie zum Beispiel ein starkes Erdbeben geben und es wird nie möglich sein, sich gegen jede potentielle zukünftige Gefahr zu versichern. Wenn ein Jahrtausendereignis eintreten würde, was nicht auszuschliessen ist, so kann in Graubünden mit einer grossen Solidarität und Spenderbereitschaft gerechnet werden. Das haben die Unwetterkatastrophen der letzten Jahre gezeigt. Zudem: Wenn der Bund für die Sanierung einer angeblich systemrelevanten Grossbank UBS 68 Milliarden aufbringen kann, so ist davon auszugehen, dass er auch bei einem grossen Schadenereignis, welches die ganze Bevölkerung trifft, hilft, ja geradezu den Wiederaufbau finanziell unterstützen muss.
Schliesslich würden durch die Erdbebenversicherung der Volkswirtschaft und damit dem einzelnen Bürger Milliarden entzogen. Geschätzte Hochrechnungen ergeben für Graubünden 11 Millionen Franken pro Jahr, für die Schweiz 290 Millionen Franken. Diese Gelder müssten zudem sicher angelegt werden. Aber wie und wo legt man Milliarden sicher an? Heute gibt es darauf keine Zinsen. Und wer kontrolliert diese Geldanlage?

Nur realistische Schadenfälle versichern
Es geht dem HEV nicht um das Nichtleisten oder Sparen der relativ tiefen Versicherungsprämien pro Eigentümer und Liegenschaft. Es geht darum, dass Gelder unkontrolliert gehortet werden. Der Versicherungsschutz bei Immobilien ist obligatorisch nur dann sinnvoll, bei Versicherungsereignissen die akut und realistisch, wahrscheinlich und einigermassen zeitnah vorausschaubar sind. Zudem lässt sich nicht alles versichern. Unrealistisch ist insbesondere die obligatorische Versicherung für einen Schadenfall der statistisch alle paar hundert Jahre eintritt.

Förderung des erdbebensicheren Bauens als Alternative
An Stelle einer Erdbebenversicherung müssen das erdbebensichere Bauen und bauliche Prävention gefördert werden. Die fachgerechte Umsetzung der Erdbebenbestimmungen der aktuellen SIA-Baunormen, welche seit 2003 in Kraft sind, stellt eine hohe Sicherheit für die Bewohner dar und reduziert die Schadensanfälligkeit der Gebäude. Erdbebensicheres Bauen verursacht nur minime Mehrkosten. Bei Neubauten liegen diese zwischen 0 bis 1 Prozent der Baukosten.

Möglichkeit freiwilliger Versicherungsschutz
Die Immobilieneigentümer können ihre Gebäude bereits heute freiwillig bei vielen privaten Versicherungen gegen Erdbebenschäden absichern lassen. Dagegen hat der HEV Graubünden nichts einzuwenden.